diabetes parodontitis

Diabetes und Parodontitis

Erklärung

Die Parodontitis, umgangssprachlich auch oft Parodontose genannt, ist eine multifaktorielle Erkrankung des Zahnhalteapparates, bei der es zu einem weitestgehend irreversiblen Abbau des den Zahn stützenden Alveolarknochens kommt. Der Zahn ist im Bereich der Zahnwurzel mittels eines Fasernetzes elastisch am Knochen befestigt. So ist es durch den Zahnhalteapparat möglich, die Kaukräfte, welche auf den Zahn wirken, gleichmäßig zu verteilen. Bei einem Abbau dieses Knochens werden auch die Fasern zerstört, wodurch der Halt des Zahnes und auch die Fähigkeit des Kraftabbaus bei Kaubelastungen reduziert ist. Wird dieser Zerstörungsprozess nicht gestoppt, kann dies zu Lockerung der Zähne bis hin zum Zahnverlust führen.

Ursachen und Verlauf

Die Ursachen der Parodontitis sind sehr vielfältig. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Erkrankung meist langsam über Jahre, sogar Jahrzehnte abläuft und dabei nicht selten vom Betroffenen unbemerkt bleibt, da die auftretenden Symptome oder Beschwerden oft kaum erkennbar sind. Ein wichtiger Faktor ist natürlich auch bei der Entstehung einer Parodontitis die Mundhygiene. Schlechte Mundhygiene kann zu Bildung von Belägen und Zahnstein führen, was wiederum eine Entzündung des Zahnfleisches zur Folge haben kann. Diese Entzündung, auch Gingivitis genannt, kann über Jahre ohne Knochenbeteiligung ablaufen und ist bei entsprechender Prophylaxe sowie korrekter Mundhygiene vollständig reversibel. Gesellen sich nun weitere Risikofaktoren hinzu (Rauchen, Stress, Diabetes etc.), kann dies zu einer negativen Modulation des Immunsystems führen, welches dann  wiederum nicht mehr erfolgreich alle Bakterien abwehren kann. Das Zahnfleisch löst sich vom Zahn, so dass sich auf der Wurzeloberfläche ein Biofilm etablieren kann, in welchem viele verschiedene Erreger vergesellschaftet sind. Es entsteht eine Zahnfleischtasche.

Zahnaufbau

Faktoren der Parodontitis

Die Existenz von schädlichen Bakterien alleine ist nicht zwingend ein ausreichendes Kriterium für die Ausbildung einer Parodontitis, denn im menschlichen Mund kennen wir etwa 700 verschiedene Arten. Unter all diesen Mikroorganismen gibt es schädliche,weniger schädliche sowie nützliche Bakterienarten. Doch durch den Einfluss der oben genannten Faktoren und die daraus folgende Ausbildung eines Biofilms können sich einige wenige Bakterien vergesellschaften und organisieren. Diese nennt man Leitkeime der Parodontitis. Durch das organisierte Zusammenleben der Erreger sind diese wesentlich widerstandsfähiger gegenüber äußeren Angriffen in Form von Mundspül-lösungen oder gar Antibiotika. Aus dem anfangs weichen Biofilm können sich mit der Zeit äußerst harte Konkrementablagerungen bilden, gegen welche Zahnbürsten alleine machtlos sind und die nur durch entsprechende Prophylaxeinstrumente (Ultraschallscaler, Pulverstrahler, Laser etc.) entfernt werden können. Werden nun die meist damit verbundenen Symptome, wie z.B. Zahnfleischbluten oder erhöhte Sondierungstiefen von Zahnfleischtaschen nicht rechtzeitig erkannt, schreitet dieser destruktive Prozess fort. Innerhalb der Tasche können sich die Bakterien nun relativ unbehelligt ausbreiten. Dabei scheiden sie Giftstoffe (Toxine) aus, die das umliegende Bindegewebe zerstören können. Da auch das Immunsystem nicht in der Lage ist, diese harten Beläge abzubauen und die darin lebenden Bakterien zu zerstören, wird der umliegende Knochen durch körpereigene Mechanismen abgebaut. Diese Mechanismen sind abhängig von endogenen Faktoren, wie z.B. der individuellen Immunantwort ausgelöst durch die Aktivität von Zytokinen. Dabei wird die entstandene Tasche durch Zerstörung des Knochens tiefer.

Dieser Vorgang kann nun ohne medizinische Intervention durch den Zahnarzt bis zur Zahnlockerung bzw. dem Zahnverlust fortschreiten. Aber auch nach einer durch den Zahnarzt erfolgten Parodontalbehandlung  ist das Risiko eines Rezidivs immer wieder gegeben, da die vorhandene Tasche zwar durch Bindegewebe vom Körper teilweise geschlossen werden kann, jedoch stellt diese Form der Taschenreduktion bei weitem nicht dieselbe natürliche Schutzbarriere dar, wie dies der  ursprünglich vorhandene Alveolarknochen tat. Dieser jedoch ist unwiederbringlich verloren.

Parodontitisfaktoren

Wechselwirkungen Parodontitis – Diabetes

Aus mehreren Studien ist bekannt, dass sich Diabetes und Parodontitis gegenseitig negativ beeinflussen können. So kann letztere eine verstärkte Insulinresistenz verursachen, die wiederum eine verschlechterte Blutzuckerkontrolle zur Folge hat. Eine Parodontitis kann also durchaus  ursächlich für sich sprunghaft ändernde Blutzuckerwerte sein. Auch wird ein Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Erkrankungen (Arteriosklerose, Bluthochdruck) und Parodontitis diskutiert. Aber auch der Diabetes mellitus kann einen Einfluss auf die Parodontitis ausüben. Dabei spielen natürlich die Einstellungsqualität und die Dauer des Diabetes eine wichtige Rolle. Da das Zahnfleisch eine hohe Regenerationsrate aufweist, stellen sich Störungen im Stoffwechsel bei Schleimhäuten als besonders gravierend dar. Erhöhte Glukosewerte im Bereich der Schleimhäute können die kleinen Blutgefäße bis hin zur Arteriosklerose schädigen. Eine schlechtere Gewebeversorgung mit Nährstoffen einhergehend mit einer reduzierten Immunabwehr sind dann die Folge. Des Weiteren kann ein erhöhter Blutzuckerspiegel die Speichelproduktion herabsetzen.  Da der Speichel aber durch seine enthaltenen Abwehrstoffe eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Bakterien darstellt, bedeutet dies eine weitere Reduzierung der Immunabwehr.

Therapie und Prognose

Die beste Therapie stellt auch hier wieder das rechtzeitige Erkennen und die Prophylaxe dar. Da die Parodontitis einen irreversiblen Knochenabbau zur Folge hat, ist eine vollständige Heilung nicht möglich. Mit der richtigen Behandlung, bei der meist mittels Küretten oder Ultraschallinstrumenten die harten und weichen Beläge von der Wurzeloberfläche entfernt werden, wobei je nach Schweregrad oft auch eine unterstützende Antibiotikagabe erforderlich ist, kann ihr zwar meist erfolgreich Einhalt geboten werden, jedoch ist die Therapie oft langwierig und bedarf einer motivierten Mitarbeit des Patienten, sollte sie langfristig erfolgreich sein. Regelmäßige Kontrollen, die je nach Schweregrad zwei- bis viermal jährlich stattfinden sollten sowie eine ebenso regelmäßige Prophylaxe (professionelle Zahnreinigung) sind zu empfehlen. Da die Risikofaktoren als Ursache eine wesentliche Rolle spielen, sollte auf die eigenen  Lebensgewohnheiten ein selbstkritischer Blick geworfen werden. Wir wissen aus Studien, dass ein Diabetiker im statistischen Durchschnitt ein etwa 3-4 fach höheres Risiko hat, eine Parodontitis auszubilden. Ein Raucher hat dagegen ein etwa 4-6 fach höheres Risiko.  Mit Sicht auf die oben aufgezeigten Faktoren wird deutlich, dass man als Betroffener einen maßgeblichen Einfluss auf den Verlauf und die Prognose dieser Erkrankung hat. Ist der Blutzuckerspiegel korrekt eingestellt und werden die vom Zahnarzt oder vom Diabetesberater empfohlenen Prophylaxemaßnahmen eingehalten, so steht auch beim Diabetes mellitus einer guten Mundgesundheit kaum etwas im Wege.

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